Trauertexte

Das Konzept eines Trauertextes ist den meisten Schreibern bewusst, wenn sie sich dem Schreiben widmen. Der Text soll den Hinterbliebenen zeigen, dass man bereit ist, sie durch diese schwere Zeit zu begleiten, dass man sie versteht und dass man genauso sehr um den Verstorbenen trauert wie sie. Gleichzeitig soll er aber zeigen, dass das Leben weitergeht - denn in den Erinnerungen aller lebt der Tote weiter und begleitet sie nunmehr auf diese Weise durch das Leben.

Ideal für christliche Hinterbliebene sind Bibelstellen. Der Vers "Leben wir, so leben wir dem Herrn. Sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn" (Römer 14, Vers 8, nach Luther) zeigt christlichen Gläubigen, wofür sie ihren geliebten Menschen hergeben mussten, und spendet ihnen Trost, da sie wissen, dass er nun in der Hand Gottes ist. "Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen" (Offenbahrung 21, 3-4, nach Einheitsübersetzung) - dieser Vers erinnert Christen daran, dass ihre Trauer vergehen wird. Sie werden ihren Verstorbenen im Himmel wiedersehen und es wird keinen Grund mehr zur Trauer geben, die Trauer ist nur eine kurzfristige Empfindung. Bei Bibelversen muss es sich um nichts Besonderes oder Seltenes handeln - selbst die besonders häufig verwendeten Verse eignen sich als Trauertext. Der häufig verwendete Psalm 23, der Hirtenpsalm, eignet sich ebenso wie eine andere Bibelstelle, da die Ausschnitte der Bibel nicht nur auf Christen eine immens tröstende Wirkung haben.

Ein Trauertext sollte immer ehrlich sein und die eigenen Gefühle beschreiben. Auch dann, wenn man kein gutes Verhältnis zum Toten hatte, sollte man dies sagen, ohne zu übertreiben. "Wir hatten unsere Meinungsverschiedenheiten", "Einig waren wir uns in vielerlei Hinsicht nicht" oder "Wir waren zwei völlig unterschiedliche Menschen" wären ideale Umschreibungen für schwierige Verhältnisse. Bedenken sollte man dabei immer, dass die Adressaten zwar Ehrlichkeit, aber auch Liebe gegenüber dem Verstorbenen erkennen wollen.

Als Einleitung eines Trauertextes kann man einen Trauerspruch einführen, der zum Thema hinführt, bevor man mit den eigenen Worten zum Toten beginnt. Es gibt viele bekannte und wenig bekanntere Trauersprüche, die zu den meisten Situationen passen. Das slawische Sprichwort "Es sind die Lebenden,die den Toten die Augen schließen. Es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen" zeigt, dass die Leben der Hinterbliebenen auch nach dem Tod des geliebten Menschen weitergehen. Mit dem Spruch "Der Tod kann auch freundlich kommen zu Menschen, die alt sind, deren Hand nicht mehr festhalten will, deren Augen müde werden, deren Stimme nur sagt: Es ist genug. Das Leben war schön" kann man hingegen Menschen trösten, die einen älteren Verstorbenen zu beklagen haben - denn sie müssen einsehen, dass der Tod ihnen zwar wehtun mag, für den Verstorbenen aber oftmals eine Wohltat bedeutet hat.